Update 8. Mai 2024: Berichte zur SoFi in Mexiko vom 8. April 2024

Einige unserer Mitglieder haben die Totale Sonnenfinsternis in Mexiko verbracht und die Finsternis vor Ort erleben können. Nachfolgend einige Berichte und Bilder die wir von Ihnen erhalten haben.

Thomas Radvanszky in Mazatlan (Sinaloa), Mexiko:

Als die Sonne ein Nickerchen machte…

Mazatlan, Sinaloa, Mexico: Der nächste astronomische Leckerbissen: Nämlich die totale Sonnenfinsternis vom 08. April 2024.

Die Reise startete in Zürich über Amsterdam nach Mexiko City. Dort wurde übernachtet, bevor es mit dem ‚leichten‘ Gepäck weiter nach Mazatlan ging.

Mazatlan liegt am Pazifischen Ozean im Bundesstaat Sinaloa. Eine wirklich wichtige Anmerkung: Mazatlan habe und erlebe ich es als sehr sicher! Tolle und freundliche Leute, obwohl ich nicht spanisch spreche. Mit etwas Geduld, italienisch oder englisch, selbstverständlich durften Hände und Füsse nicht fehlen, ging es immer. Muchas gracias Mazatlan!

Beginn der Finsternis im rechten Teil der Sonne Der Mond schiebt sich von rechts her vor die Sonne.
Durch die leichten Wolken war es einigermassen schwer ein scharfes Bild zu kriegen. Der Mond ist hier schon fast zur Hälfte vor die Sonne getreten. Belichtungszeit 1/80 Sekunden.
20240408 SOFI Mazatlan Thomas Radvanszky 3
Kurz vor der Totalität nur noch mit kleiner Sichel. 1/100 Sekunden Belichtung, ISO 100, 12.03 Uhr Ortszeit
Knapp vor dem Diamantring. 1/4000 Sekunden Belichtung, ISO-100, Ohne Filter. 11.07 Uhr Ortszeit
Leider konnte während der Totalität wegen eines Fehlers nur noch mit dem Handy eine Aufnahme gemacht werden.

Gründe wieso während der Totalität nicht alles klappte. Viel gelernt während der Finsternis. Infos von Thomas um das auch zu teilen was passiert war.

1. Wurde sehr oft von den Hotel-MitarbeiterInnen und Hotelgästen abgelenkt.

2.  Die ständige Lichtwechsel von den vorüberziehenden Wolken. Ständig die Blende anpassen.

3. Als die Totalität eintraf, habe ich falsch an der Blende geschraubt. Idiot, zu Recht. Konsequenz: Bild weg. Notmassnahme: Mobiltelefon. Dann einfach losgeknippst.

Letztes Jahr in Hobbs, New Mexico war es massiv einfacher. Einmal einstellen… Fertig. Waren zu dritt, total abgelegen. Stahlblauer Himmel die ganze Zeit, kein Wind.

Ich (Markus Burch) kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es mir auch schon während einer Finsternis passierte dass gewisse Einstellungen aufgrund von speziellen Umständen plötzlich nicht mehr gingen. Belichtungszeiten falsch. Kamerawechsel mit Okular und zurück während Totaler Mondfinsternis war tödlich da dann kein Fokus mehr gefunden werden konnte.

Kurz nach der Totalität war jetzt eine schmale Sonnensichel wieder zu sehen. 1/10 Sekunden ISO-100, 12.15 Uhr Ortszeit
Der Mond gibt die Sonne langsam frei. 12.36 Uhr Ortszeit
Aufnahme des Bildes mit dem externen Monitor und mit dem Handy aufgenommen.
Ausrüstung von Thomas die er nach Mexiko mitgeschleppt hat. (Details siehe unten)

Ausrüstung:
Bilder wurden aufgenommen mit: Sony Alpha 65 Kamera, zweifach Konverter, Tamron 600mm Objektiv, Astrozap Sonnenfilter, Fernauslöser, auf der Kamera ein zusätzliche Kamera Monitor montiert, Stativ: Rollei Tragegewicht 10kg, Stativkopf: Sirui mit Schwenkarm.

Markus Burch, 10. April 2024


Marilyn und Roland Stalder in Torreón (Coahuila), Mexiko:

Wir reisten mit Wittmann Travel und konnten nach einer 2-wöchigen Rundreise durch Mexiko die totale Sonnenfinsternis in Torreón (Bundesstaat Coahuila) auf dem Fussballplatz der lokalen Universität (Universidad Autónomo de la Laguna) bei tollen Bedingungen beobachten. Der Beobachtugsplatz war reserviert für unsere und ein paar andere Reisegruppen – total waren etwa 200 Sonnenfinsternis-Reisende vor Ort (u.a. auch Pascal Kaufmann von der AGL). Es gab sogar ein Catering mit Essen und Getränken sowie diverse weitere, von Studenten organisierte Aktivitäten.

20240408_081006 SOFI Torreón Mexiko Marilyn und Roland Stalder warten
Die Vorbereitungen sind gemacht, gespanntes Warten im Schatten in der Nähe. SOFI-Brillen aktiv.
Umgebung wo Roli und Marilyn die Sofi anschauten auf dem Fussballplatz der UAL. Während der Totalität blieben einige dünne Cirren, welche das Erlebnis nicht gross gestört haben.
20240408 UTC 1730 Partielle Phase mit Sonnenfleck Foto Lothar Neis
Die partielle Phase der Finsternis nimmt ihren Lauf. Hier ist bereits der halbe Durchmesser der Sonnenscheibe durch den Mond verdeckt. Ein Sonnenfleck wird als nächstes hinter dem Mond verschwinden. (Foto: Lothar Neis)
Animation vom Vorbeiflug des Mondschattens während der Finsternis am 8. April 2024 in Torreón, Mexiko. Die Sequenz mit insgesamt 54 Bildern deckt die Zeitspanne von 12:13:44 bis 12:24:24 ab (die Totalität dauerte von 12:16:57 bis 12:21:11 während 4 Minuten und 14 Sekunden). Deutlich sichtbar zieht der Mondschatten von rechts (Westen) nach links (Osten) über den Himmel. Genau während der Totalität waren die hohen Cirruswolken besonders dünn und störten das ergeifende Erlebnis kaum noch. (Full-HD Video: Roland Stalder mit Canon 6D und 8mm FishEye Objektiv. Belichtungszeiten variabel zwischen 1/250 Sek. und 2 Sek. bei ISO 100 und f/4)

Das Heranfliegen des Mondschattens war durch die leichten Cirren visuell gut zu erkennen. Während der Totalität sahen wir (fast auf der Zentrallinie der Finsternis platziert) am Horizont „360-Grad-rundherum“ Dämmerung mit einem interessanten Farbspiel. Die Kamera lag für diese Animation auf dem Boden zum Zenit gerichtet, der Südhorizont ist unten. Unsere Gruppe beobachtete ca. 30 Meter nördlich der Kamera vor den Bäumen am Nordhorizont.

20240408 SOFI Mondschatten Sequenz Torreon Belichtungszeiten
Belichtungszeiten während der SOFI Mondschatten Sequenz am 8. April 2024 in Torreón

Aus den fotografischen Belichtungszeiten (maximal 2 Sekunden bei ISO 100 und f/4) der Mondschatten-Sequenz wurde die Luminanz des Himmels in Zenitnähe während der Totalität berechnet: sie betrug ca. 13 mag/arcsec2 oder 0.7 Candela/m2. Das ist rund 10’000 mal dunkler als der normale Tageshimmel (ca. 3.0 mag/arcsec2 resp. 7’000 Candela/m2), aber immer noch etwa 4’000 mal heller als der dunkelste Nachthimmel (22.0 mag/arcsec2 resp. 0.00017 Candela/m2). Die Luminanz des Himmels während der Totalität liegt also als ziemlich genau zwischen Tag und Nacht und entspricht etwa der Himmelshelligkeit beim Beginn einer nautischen Dämmerung (wenn die Sonne bei -6 Grad Elevation steht). Der Himmel war deutlich heller als während einer Vollmondnacht. In den letzten ca. 20 Sekunden vor der Totalität sank die allgemeine Himmelshelligkeit um etwa das Zehnfache.

Der visuelle Anblick des Diamantringes und der gleichzeitig erscheinenden, spektakulär strukturierten Korona mit blossem Auge und per Canon 15×50 IS Feldstecher hat uns beide überwältigt und zu Tränen gerührt! Die Sonne war an diesem Tag sehr aktiv und wir sahen etwa ein halbes Dutzend Protuberanzen. Die grösste davon (dreiecksförmig) war „unten“ (bei ca. 5 Uhr auf einem gedachten Zifferblatt) zu sehen.

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„Diamantring“ – die letzten Sonnenstrahlen – nur 8 Sekunden vor Beginn der Totalität. (Foto: Dr. Reinhard Neul)

Die innerste Korona kann übrigens in der Flächenhelligkeit locker mit einer Vollmondoberfläche mithalten und die Protuberanzen sind typischerweise noch deutlich heller.

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Innerste Korona und Protuberanzen – 5 Sekunden nach Beginn der Totalität fotographiert und gleich lang belichtet wie das „Diamantring“ Foto oben. (Foto: Dr. Reinhard Neul)
20240408 UTC 182000 Korona mit Streamern IMG_8209 Robert Nufer
Ein länger belichtetes Bild der Korona, es werden die radialen „Streamers“ und weitere Strukturen sichtbar. (Foto: Robert Nufer https://robertnufer.ch )
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Vor Ende der Totalität war die sehr eindrückliche, dreiecksförmige Protuberanz in voller Schönheit von blossem Auge zu sehen. (Foto: Robert Nufer https://robertnufer.ch )
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Die allerersten Sonnenstrahlen erreichten uns durch ein Mondtal bereits 2 Sekunden vor Ende der „offiziellen“ Totalitätsphase. (Foto: Dr. Reinhard Neul)

Es ist kaum möglich, den visuellen Eindruck während der Totalität in einem einzelnen Foto festzuhalten, weil das Auge Helligkeiten logarithmisch wahrnimmt, während eine Kamera linear aufzeichnet. Die Protuberanzen sind etwa 1000x heller als die äussersten, noch sichtbaren Streamers der Corona. Erst durch aufwendige HDR-Nachbearbeitungen von (vielen) Einzelfotos gelingt es, den visuellen Eindruck der Corona annähernd fotographisch zu reproduzieren.

20240408 UTC 181834 Totale SoFi ISO200 HDR Larsen-Sekanina komprimiert Reinhard Neul
HDR-Bild aus 16 überlagerten Einzelbildern mit Belichtungszeiten von 1/4000s bis 2s, bei dem die Kontraste durch den Larsen-Sekanina-Filter hervorgehoben wurden. Filterartefakte (schwarze Sternschatten) wurden entfernt. Die Einzelbilder sind auf die Sonne ausgerichtet, damit die Koronastrukturen exakt übereinander liegen. Dadurch erkennt man die Wanderung des Mondes gegenüber der Sonne während den 4 min der Totalität. Aufgenommen durch einen Pentax 75SDHF Refraktor (500 mm Brennweite) mit einer Canon EOS Ra. In den Streamers der ausgedehnten Korona sind diverse Sterne zu erkennen. (Foto: Dr. Reinhard Neul)

Nachfolgend die berechnete Prognose der visuell sichtbaren Corona während der totalen Sonnenfinsternis vom 8. April 2024. Unser astronomischer Reiseleiter Dr. Uwe Reichert (ehemals Chefredaktor der Zeitschrift „Sterne und Weltraum„) hatte uns am Tag vor der Finsternis darauf aufmerksam gemacht.
(Quelle: https://www.predsci.com/corona/apr2024eclipse/home.php )

Vorhersage der visuell sichtbaren Corona während der totalen Sonnenfinsternis vom 8. April 2024, Süden ist unten
Berechnete Vorhersage der visuell sichtbaren Corona während der totalen Sonnenfinsternis vom 8. April 2024. Orientierung: Süden ist unten (Quelle: Predictive Science)

Zum direkten Vergleich nachfolgend noch ein fotographisches Resultat, welches eine Vorstellung von der visuell sichtbaren Corona während dieser Sonnenfinsternis gibt. Beachte, dass im Vergleich zur oben gezeigten Vorhersage das Bild ca. 25 Grad im Uhrzeigersinn verdreht ist – gut erkennbar an der hellsten Protuberanz unten).
(Quelle: Daniele Gasparri, https://spaceweathergallery2.com/indiv_upload.php?upload_id=205641 )

HDR Foto (basierend auf über 200 Einzelbildern) der Corona während der totalen Sonnenfinsternis vom 8. April 2024
HDR-Bild (basierend auf über 200 einzelnen Bildern) der Corona während der totalen Sonnenfinsternis vom 8. April 2024 (Foto: Daniele Gasparri)

Im Feldstecher haben wir visuell die längsten Streamers der Corona mit ca. 2 – 3 Sonnenradien Länge wahrgenommen. Die oben abgebildeten, schwachen Sterne (bis 11 mag !) waren natürlich visuell nicht erkennbar. Die leichten Cirren in Torreón verhinderten zudem ein Auffinden des Kometen 12/P Pons-Brooks, aber Venus und Jupiter waren leicht zu finden.

20240408_114957 SOFI Torreón Mexiko Marilyn und Roland Stalder liegen bereit
Roli und Marilyn Stalder in Torreón, Mexiko, auf dem Fussballplatz der UAL (Universidad Autónoma de la Laguna)
20240408_124837 SOFI Torreón Mexiko Unterschriftensammlung UAL Studenten
Unterschriftensammlung der Studenten der örtlichen Universidad Autónoma de la Laguna (UAL)
20240408_124758 SOFI Torreón Mexiko Erinnerungsposter UAL
Gemeinsames Finsternis Erlebnis samt Erinnerungstafel der Studenten der UAL in Torreón
20240408 Ablauf der totalen Sonnenfinsternis in Torreon Foto Hans-Gerd Schäfer
Der Ablauf der gesamten Sonnenfinsternis in Torreón (Mexiko) von 10:59:59 Uhr (unten links) bis 13:41:31 Uhr (oben rechts) Ortszeit (CST = UTC – 6:00). (Foto: Hans-Gerd Schäfer)

In Mexiko war natürlich die Finsternis in den Medien ein grosses Thema. Am Tag vor der Finsternis wurde unsere „Wittmann Travel“ Reisegruppe mit unserem mexikanischen Reiseführer während eines Stadtbummels in Torreón spontan von der lokalen Fernsehstation interviewt. TV-Newsbeitrag vom 7. April 2024 auf Telemundo Noticias (spanisch) zur SOFI in Torreón.

Der bekannte deutsche Amateurastronom und Filmemacher Sebastian Voltmer hat sein Finsterniserlebnis in Mexiko inklusive Liveübertragung ins Planetarium Hamburg als 13-minütiges Dokumentarvideo auf Youtube gestellt.


Markus Burch, 10. April 2024
erweitert von Roland Stalder am 15. April, 29. April. 8. Mai und am 21. Mai 2024

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