Wo ist er denn? Manchmal braucht es etwas Hilfe, um den Vollmond am Himmel zu finden. Am Sonntagabend, 7. September 2025 war „zur besten Sendezeit“ eine totale Mondfinsternis angesagt, welche während der Abenddämmerung auch in der Schweiz zu sehen sein würde. Die Wetterprognosen war ziemlich perfekt (nur einige Cirren waren prognostiziert) und wir hatten die Öffnung der Sternwarte Luzern rechtzeitig in den Medien und in einem Bericht auf unserer Homepage angekündigt. Am Tag des Ereignisses verzeichneten wir über 2’000 Aufrufe unserer Webseite. Wir waren also gewarnt, dass ein Besucheransturm zu erwarten sein würde.
Tatsächlich hatten wir unmittelbar nach der Öffnung unserer Türe um 20:00 Uhr innert Minuten über 70 Gäste in unseren 5 x 8 Meter kleinen Sternwarte – FULL HOUSE! Darum mussten wir vorerst weitere Leute wegschicken zu unserem ebenfalls online angekündigten, astronomischen Sidewalk am Luzerner Nationalquai, oder als Alternative auf deutlich später vertrösten.

Aufgrund der hellen Dämmerung war damit zu rechnen, dass der total verfinstert aufsteigende Vollmond zu Beginn nicht oder höchstens knapp zu sehen sein würde. Ein total verfinsterter Vollmond ist nämlich viel weniger hell als der Tageshimmel. Der Aufgang des Vollmondes am mathematischen Horizont in Luzern (um 19:52 Uhr) fand praktisch zeitgleich mit dem Sonnenuntergang (um 19:54 Uhr) statt. In der Sternwarte war jedoch aufgrund des leicht erhöhten Osthorizontes der Aufgang des Mondes erst um ca. 20:30 Uhr hinter den nahen Bäumen des Bireggwaldes zu erwarten. Wir hatten also noch genügend Zeit, den bereits anwesenden Gästen einige Erklärungen zu geben. Wir waren nun alle gespannt, ob der Mond ab 20:30 Uhr auch wirklich bereits zu sehen sein würde in der frühen, nautischen Dämmerung. Alle blickten gespannt zum Horizont, dorthin, wo auch bereits alle Teleskope gerichtet waren und wo wir den Aufgang des Mondes vorhergesagt hatten. 20:32 Uhr – jetzt müsste der Mond definitiv aufgegangen sein. Wer sieht ihn bereits? Niemand! Wo ist er denn? Gespanntes Warten und Rätselraten. Einige Minuten später: DA! ICH SEHE IHN GANZ SCHWACH! Tatsächlich, nach einer kurzen Markierung mit dem Lichtstrahl unserer „Himmelszeiger-Taschenlampe“ konnten ihn alle Gäste finden – ein sehr unscheinbarer, schwach rötlich leuchtender Mond war zu erkennen! Allgemeines „Ohh“ & „Ahh“ und Staunen 😮

Kurz darauf verschwand der Mond nochmals für ein paar Minuten hinter einem horizontnahen Cirrenband, aber danach war er immer deutlicher zu sehen. Ab 20:53 Uhr traf dann bereits wieder das erste, direkte Sonnenlicht links unten auf den Mond. Die totale Phase der Finsternis war nun beendet. Gegen 21:30 Uhr verliessen die ersten Gäste zufrieden die Sternwarte und wir konnten noch weitere Neugierige reinlassen und bis 22:30 Uhr total etwa 100 Leuten den Mond und auch noch den Ringplaneten Saturn, Sterne und den Kugelsternhaufen M13 zeigen. Es war ein ganz spezielles Erlebnis – auch wir erfahrene „Astronomie-Hasen“ hatten noch nie einen Vollmond am Himmel gesehen, den man eben vorerst nicht sehen konnte.

Wir freuen uns auf die nächste Gelegenheit, in der Schweiz eine totale Mondfinsternis zu beobachten: an Silvester 2028, wiederum in den frühen Abendstunden.
Übrigens wurden unsere beiden Sternwarten-Kollegen Kurt Felder und Marc Eichenberger beim Nationalquai an der Luzerner Seebucht ebenfalls von interessierten Passanten und Gästen überrannt. Sie hatten dort den angekündigten „Astronomie-Sidewalk“ durchgeführt und die totale Mondfinsternis mit ihren privaten Teleskopen dem Publikum präsentiert.
Roland Stalder (zusammen mit Peter Kronenberg und Pascal Kaufmann in der Sternwarte Luzern), 8. September 2025
Sidewalk mit einer Klasse der Kantonsschule Alpenquai vor dem Richard Wagner Museum:
Schon im Januar im Rahmen eines Besuchstages an der Kanti Alpenquai kam die Geografie-Lehrerin Kathrin Rimer und ich ins Gespräch wegen des Venustransits von James Cook. Dabei kamen wir auf die Totale Mondfinsternis vom 7. September zu sprechen und es entwickelte sich die Idee mit der Klasse U24g die Finsternis zu beobachten. Da es Sonntag abends war war es ein freiwilliger Anlass bei dem auch Eltern teilnehmen konnten.

Die Wetterprognosen in den Tagen davor waren nicht allzu schlecht. Was mir aber am Samstag schon Sorgen machte waren die vielen Cirrenfelder. Die könnten zum Problem werden beim Aufgang des Mondes.

Der Sonntagnachmittag hatte dann noch viele Cirren doch gemäss Prognosen sollten die sich nach Osten verabschieden. Dem war aber leider nicht so. Am Abend sah es dann Richtung Rigi Hochflueh wo der Mond auftauchen sollte so aus.

Es waren fast 20 Personen die am Sonntagabend zum Richard Wagner Museum kamen. Wir erklärten den Kindern und Ihren Eltern was passieren wird und wie eine Mondfinsternis abläuft.

Es war noch sehr hell und es gab extrem wenig Kontrast am Himmel. Auch die Cirrenbänder waren genau Richtung Osten noch da. Im Süden und Westen waren sie wie angekündigt weg. So kam die Zeit des Aufgangs (20.14 Uhr MESZ) aber zur Enttäuschung aller sahen wir einfach nix. der so schwache Mond war einfach zu wenig hell um durch die flachen Cirrenschichten durchzudringen. Alle schauten gespannt mit Ferngläsern oder von blossem Auge. Das Maximum der Totalität ist durch und wir haben immer noch totale Finsternis am Himmel ohne den Mond. Um ca. 20.30 Uhr haben dann erste Personen den Mond von Auge durchschimmern sehen. Er verschwand nochmals hinter einer Cirrenbank kam aber dann um 20.40 Uhr über diese Bank und von da an war der Mond dann sichtbar. Am Anfang noch schwach, dann immer besser. So konnten endlich auch die beiden Teleskope auf den Mond gerichtet werden.

Endlich die ersten Bilder vom Mond. Die Schüler zückten alle Ihre Handies und fotografierten mit Ihren Handys durch das Teleskop. Die Stimmung lockerte sich auf und alle waren erstaunt wie schwach das Licht des Mondes war. Über uns war das Sommerdreieck zu sehen. Als kleines Goodie für das Wetter gab es dann den Besuch des Ringplaneten Saturn. Diesen konnten wir durch die Teleskope auch sehen. Das war für viele ein Highlight den Ring zu sehen. Ganz zum Schluss gab es noch einen hellen Durchgang eines Satelliten bis er dann im Erdschatten verschwand. Ebenso hat Stella noch zum Schluss eine Sternschnuppe gesehen. Die Schülerinnen und Schüler mit Ihren Eltern konnten so Ihre erste Mondfinsternis sehen und zufrieden nach Hause gehen. Für mich hiess es dann noch wieder alles ins Auto zu verstauen. (2 Teleskope, Stative, Montierungen).
Danke an Elins Eltern die mitgeholfen haben alles abzubauen.
Erkenntnis: Ein total verfinsterter Mond beim Aufgang ist wie vermutet extrem schwierig überhaupt zu erkennen. Die nächste totale Mondfinsternis die gut beobachtbar ist, wird am 31.12.2028 stattfinden. Dann geht der Mond noch in der partiellen Phase auf (Es kann dann die helle Sichel noch gefunden werden). Erst ca. 20 Minuten später wird dann die Totalität beginnen und bis 18.30 Uhr dauern. Das dürfte dann besser zu beobachten sein. (Ausser das Wetter spielt dann wieder mal nicht mit.) Der Vollmond steht dann in den Zwillingen.
Markus Burch, AGL, 13. September 2025


